Mikrosystemtechnik für ganzheitliche
telemedizinische Dienstleistungen in
der häuslichen Nachsorge

 
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ARBEITSPAKET VI: Entwicklung eines Geschäftsmodells

Die Integration von Mikrosystemtechnik in die Leistungserbringung medizinischer Dienstleistungen hinkt den Möglichkeiten der neuen Technologien weit hinterher. Ursächlich für diese Situation ist maßgeblich die fehlende Transparenz und das fehlende Wissen hinsichtlich der vielfältigen Nutzen- und Aufwandsbeziehungen im Leistungserbringungsprozess. Aus diesem Grund wird in diesem Arbeitspaket ein allgemeines Geschäftsmodell zur Erbringung mikrosystemtechnisch unterstützter telemedizinischer Dienstleistungen, auf Basis des MeDiNa-Ansatzes, entwickelt.

Eine nachhaltige Nutzung des geplanten MeDiNa-Ansatzes ist nur dann gegeben, wenn alle erforderlichen Parteien (bspw. Leistungserbringer, Technologieanbieter, Kunden bzw. Gesundheitsorganisationen und Patienten) einen entsprechenden Nutzen sehen und daher auch bereit sind Aufwände bzw. Ausgaben zu tragen. Nur wenn dieses multilaterale Beziehungsgeflecht hinsichtlich Nutzen und Aufwand austariert ist, ist die Grundlage einer dauerhaften Nutzung gegeben. Aufgrund dieses vernetzten, organisationsübergreifenden Ansatzes ist eine fundierte Entwicklung eines validen Geschäftsmodells unbedingt erforderlich, dessen Instanziierung aber außerhalb der Förderung und in der Verantwortung der Partner liegt. In Abgrenzung zu einem Business Plan, stellt ein Geschäftsmodell eine geeignete Lösung für eine "zulässige" Nutzen-Aufwandsrelation zwischen allen beteiligten Akteuren dar. Hieraus resultieren zulässige Lösungen für die Leistungserbringung von mikrosystemtechnisch unterstützten (tele)medizinischen Dienstleistungen.

Die Herstellung eines (stabilen) Gleichgewichts der mitunter gegenläufigen Interessen aller relevanten Stakeholder ist eine komplexe Aufgabe, die nur unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren (Wettbewerbsituation am Markt, technische Lösung, geeignetes Organisationsmodell usw.) gelöst werden kann. Aufgrund der hohen Komplexität ist ein methodisches Vorgehen erforderlich. Das House of Value Creation (HVC) als bewährte Meta-Methodik bietet ein solch strukturiertes und bereits mehrfach in der Praxis bewährtes Vorgehen . Diese Methodik ist aber für den Einsatz im Gesundheitssektor anzupassen.

Die Aufteilung der Aufgaben innerhalb dieses Arbeitspakets orientiert sich an der Struktur der HVC-Methodik und besteht aus sechs wesentlichen Schritten:
  • Ermittlung des Partialmodells "Markt": Hier gilt es, den Markt für die Erbringung mikrosystemtechnisch unterstützter telemedizinischer Dienstleistungen abzugrenzen. Wer sind potenzielle Kunden für ein solches System? welche Transaktionsvolumina können hierüber abgewickelt werden? Hierzu werden Literaturrecherchen und Experteninterviews mit Vertretern aus dem Gesundheitssektor durchgeführt.
  • Ermittlung des Partialmodells "Leistung": In diesem Teilmodell wird die genaue Ausgestaltung von Leistungen analysiert, die den zuvor identifizierten Markt am besten adressieren können. Bedürfnisse der einzelnen Akteure, wie beispielsweise Patienten oder Ärzte können so frühzeitig mit einbezogen werden und reduzieren das Risiko einer späteren Initiierung des MeDiNa-Ansatzes.
  • Ermittlung des Partialmodells "Preis-Umsatz-Elastizität": In dieser Phase werden Analysen zu den erwarteten Preiselastizitäten durchgeführt, um strategische Preiskorridore festzulegen. Das eigentliche Pricing und das Formulieren von konkreten Preislisten ist nicht Gegenstand dieses Modells und damit nicht dieses Arbeitspakets. Diese ist vielmehr im Nachgang zum Projekt im Rahmen der Verwertung durchzuführen.
  • Ermittlung des Partialmodells "Leistungserbringung": Die erwarteten preisabhängigen Einnahmen bilden die Obergrenze für die gesamten Kosten der Leistungserbringung. Aus diesem Grund ist eine entsprechende Leistungserbringungssystematik (z. B. mit Methoden des Service-Blueprinting) abzuleiten, die es ermöglicht, das Angebot an Leistungsbündel unterhalb der Zielkosten zu realisieren.
  • Ermittlung des Partialmodells "Netzwerk und Informationsmodell": Ausgehend vom Leistungserbringungsmodell ist festzulegen, welche Wertschöpfungsaktivitäten selbstständig durchgeführt und welche an externe Partner vergeben werden sollen. Solche kritischen In- und Outsourcing-Entscheidungen sollten unter Berücksichtigung strategischer (Konzentration auf Kernkompetenzen vs. Diversifizierung) und organisatorischer Aspekte (z. B. Kapazitäten und Ressourcen) getroffen werden. Dies greift die erarbeiteten Erkenntnisse bezüglich des informationslogistischen Konzepts aus dem Arbeitspaket III wieder auf. Werden externe Wertschöpfungspartner mit einbezogen, müssen Informationsmodelle entwickelt werden, die den reibungslosen Ablauf unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse gewährleisten können.
  • Ermittlung des Partialmodells "Finanzierung": Im Mittelpunkt dieses Partialmodells steht die Durchführung von szenariobasierten Risikoanalysen, die der abschließenden Gesamtbewertung dienen.
Die Instanziierung des in diesem Arbeitspaket entwickelten Geschäftsmodells liegt außerhalb des Projekts und wird durch die Partner gemeinschaftlich nach Beendigung des Projekts geprüft.